Mein Steuerexperte
Welche Aufgaben Wirtschaftsprüfer:innen in Deutschland übernehmen

Welche Aufgaben Wirtschaftsprüfer:innen in Deutschland übernehmen

Zu den Hauptaufgaben der Wirtschaftsprüfer:innen gehört, wie die Berufsbezeichnung bereits vermuten lässt, die Prüfungstätigkeit. Sie führen betriebswirtschaftliche Prüfungen in Unternehmen durch und nehmen ihre gesetzlichen Pflichten wahr. Dazu gehört unter anderem die Vorbehaltsaufgabe, die eine Prüfung der Abschlüsse und Testat Erteilung von großen Kapitalgesellschaften vorsieht. Die entsprechende Gesetzesgrundlage hierfür findet sich im Handelsgesetzbuch. Dabei wenden sie deutsche und international anerkannte Grundsätze der Rechnungslegung an, nach denen die Konzern- und Jahresabschlüsse erstellt wurden.

 

Außerdem führen sie bei Bedarf Sonderprüfungen nach dem Aktiengesetz durch. Ihr betriebswirtschaftliches Wissen befähigt Wirtschaftsprüfer:innen zu einer Reihe weiterer Aufgaben, die ebenfalls zum Dienstleistungsspektrum gehören können. Für Unternehmen relevant ist etwa die Rechtsberatung zu Angelegenheiten, die in direktem Zusammenhang mit den Aufgaben des/der Wirtschaftsprüfer:in stehen. Er/Sie kann zudem als Sachverständige:r tätig werden und seine/ihre Klient:innen in steuerlichen, unternehmerischen und wirtschaftlichen Belangen beraten.

 

Prüfungspflicht für Unternehmen

 

Auch wenn es viele weitere Aufgabenfelder gibt, so gehört die Durchführung von betriebswirtschaftlichen Prüfungen zu den Hauptaufgaben eines/einer Wirtschaftsprüfer:in. Einen großen Anteil der Prüfungen betrifft die Abschlüsse von Aktiengesellschaften und Großunternehmen. Sobald ein Unternehmen in Deutschland zwei der drei folgenden Merkmale überschreitet, ist es prüfungspflichtig:

  • 4.840.000 Euro Bilanzsumme
  • 9.680.000 Euro Jahresumsatz
  • 250 Arbeitnehmer:innen

 

Diese Regel wurde eingeführt, da insbesondere größere Firmen nicht nur eine unternehmerische, sondern auch eine gesellschaftliche Verantwortung tragen, denn von ihrer Entwicklung hängen andere Unternehmen, Investoren, Gläubiger, Arbeitsplätze und letztlich das allgemeine Wohlstandsniveau ab. Dementsprechend soll von unabhängigen Prüfer:innen die Korrektheit der finanziellen Darstellung überprüft bzw. bestätigt werden. Die Überprüfung muss im ersten Schritt nicht durch eine:n Wirtschaftsprüfer:in erfolgen, denn bis zu einer Bilanzsumme von 19,25 Millionen Euro oder einem Jahresumsatz von 38,5 Millionen Euro oder bis zu einer Mitarbeiterzahl von 250 Arbeitnehmer:innen kann auch ein:e vereidigte:r Buchprüfer:in die Abschlussprüfung vornehmen. Wird eine dieser Grenzen allerdings überschritten, ist die Prüfung nur noch Aufgabe eines/einer Wirtschaftsprüfer:in.

 

Zu den Tätigkeiten im Bereich der Prüfung gehören die erwähnte Abschlussprüfung und zudem verschiedene Sonderprüfungen wie Gründungs-, Werthaltigkeits-, Verschmelzungs-, Depot-, Unterschlagungs-, Wirtschaftlichkeits-, Due Diligence- und Kreditwürdigkeitsprüfungen.

 

  • Steuerberatung

Ein Wirtschaftsprüfer kann eine:n Steuerberater:in substituieren, also die gleichen Aufgaben übernehmen. Dementsprechend gehören zu den Tätigkeiten eines/einer Wirtschaftsprüfer:in die Steuerberatung inklusive des Rechts, den Mandanten vor den Finanzbehörden und -gerichten zu vertreten.

Da rund 85 % der Wirtschaftsprüfer:innen vor dem Wirtschaftsprüferexamen bereits das Steuerberaterexamen abgeschlossen haben, sind die meisten Wirtschaftsprüfer:innen quasi doppelt qualifiziert auf diesem Gebiet.

 

  • Unternehmensberatung

Ein weiteres Aufgabengebiet von Wirtschaftsprüfer:innen kann die Beratung in unternehmerischen und wirtschaftlichen Angelegenheiten sein. So kommen Wirtschaftsprüfer:innen beispielsweise bei der Begleitung von Unternehmenstransaktionen zum Einsatz. Bei Fusionen und Übernahmen prüfen sie unter anderem die Abschlüsse des Fusions- bzw. Übernahmekandidaten und haben mit ihrer finanziellen Bewertung ein gewichtiges Wort bei der Bewertung und dementsprechend der Preisverhandlung mitzureden. Weitere Beratungsfelder sind die Strategie-, Implementierungs- und Organisationsberatung. Wirtschaftsprüfer:innen mit Spezialwissen können beispielsweise auch als EDV- bzw. IT-Berater:in auftreten.

 

  • Gutachter- und Sachverständigentätigkeit

Eine der Berufspflichten des/der Wirtschaftsprüfer:in, auf die er/sie vereidigt wird, ist die Wahrung der Unabhängigkeit bei Gutachten. Der/Die Wirtschaftsprüfer:in kann in allen Bereichen der wirtschaftlichen Betriebsführung als Gutachter:in bzw. Sachverständiger:in tätig sein. Die zu beurteilenden Sachverhalte sind dabei sehr verschieden. Es kann beispielsweise ein Gutachten über die Festlegung angemessener Abfindungen an ausscheidende Gesellschafter:innen ebenso verlangt sein wie ein Gutachten zur Bewertung von Unternehmenswerten.

 

  • Treuhänderische Verwaltung

Die Vereidigung als Wirtschaftsprüfer:in bekräftigt, dass Wirtschaftsprüfer:innen die ihnen treuhänderisch anvertrauten Vermögens- und Rechtsinteressen uneigennützig wahrnehmen. In diesem Bereich liegt dementsprechend eine weitere interessante Tätigkeit, die sich unter anderem über die Vermögens- sowie Konkurs- bzw. Vergleichsverwaltung, die Notgeschäftsführung und Nachlassverwaltung bis hin zur Testamentsvollstreckung erstreckt.

 

Diesen Berufspflichten sind Wirtschaftsprüfer:innen unterworfen

 

Wirtschaftsprüfer:innen haben bei ihrer beruflichen Tätigkeit bestimmte Pflichten zu berücksichtigen. Sie lassen sich wie folgt zusammenfassen: Berufswürdiges Verhalten, Eigenverantwortung, Gewissenhaftigkeit, Unabhängigkeit, Unbefangenheit, Unparteilichkeit und Verschwiegenheit sind wichtige Berufspflichten, die unbedingt einzuhalten sind. Um als Wirtschaftsprüfer:in tätig zu werden, müssen die Berufsbewerber:innen zunächst das Zulassungsverfahren abschließen. Erforderlich ist dafür das Bestehen des Staatsexamens, für das die Kandidat:innen ein abgeschlossenes Hochschulstudium oder ausnahmsweise langjährige Berufserfahrung mitbringen müssen. Eine mindestens dreijährige Tätigkeit in einer nach der WPO anerkannten Stelle ist ebenfalls notwendig. Zusätzlich gelten einige persönliche Voraussetzungen, darunter die gesundheitliche Eignung für den Beruf und der Abschluss einer Vermögensschadenhaftpflichtversicherung. Wirtschaftsprüfer:innen werden öffentlich bestellt und ihre Tätigkeiten müssen stets vereinbar mit ihrem Beruf und dessen Ansehen sein. Nicht vereinbar sind gewerbliche Tätigkeiten, die mit Provisionsgeschäften einhergehen. Als unvereinbar gelten außerdem berufsfremde Anstellungsverhältnisse sowie öffentlich-rechtliche Dienstverhältnisse.

 

Mit Wirtschaftsprüfer:innen zusammenarbeiten

 

Wirtschaftsprüfer:innen sind aufgrund ihrer Kenntnisse und Fähigkeiten dazu in der Lage, ihren Klient:innen anspruchsvolle Dienstleistungen anzubieten. Aufgrund der strengen ethischen Normen können sich Unternehmer:innen vertrauensvoll an Wirtschaftsprüfer:innen wenden und ein hohes Maß an Fachkompetenz erwarten. Wirtschaftsprüfer:innen verfügen in der Regel über einen reichen Erfahrungsschatz, den sie aus ihrer Tätigkeit in verschiedensten Branchen und Unternehmen erlangen. Sie sind mit unterschiedlichen Geschäftsmodellen vertraut, arbeiten eigenverantwortlich und gehen verschwiegen mit den Firmendaten um. Unternehmen können sich von Wirtschaftsprüfer:innen beraten lassen, wenn sie Unterstützung bei der Restrukturierung benötigen, eine Unternehmenssanierung planen oder größere Transaktionen vornehmen wollen. Einige Wirtschaftsprüfer:innen sind zudem auf den IT-Sektor spezialisiert und kennen sich mit neuen Technologien aus.

Finden Sie einen Steuerberater, Wirtschaftsprüfer
oder Buchhalter

Sind Sie Steuerberater?

Registrieren Sie Ihre Kanzlei im ersten Leitfaden für Steuerberater und Wirtschaftsprüfer