Mein Steuerexperte
Geringwertige Wirtschaftsgüter abschreiben

Geringwertige Wirtschaftsgüter abschreiben

Grundsätzlich sind Wirtschaftsgüter, kurz GWG, des Anlagevermögens in der Bilanz zu aktivieren und über die Nutzungsdauer des Wirtschaftsgutes abzuschreiben. Der Gesetzgeber hat den steuerpflichtigen Unternehmen ermöglicht in gewissen Grenzen die Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens nicht mehr über die tatsächliche Nutzungsdauer abzuschreiben, sondern im gleichen Jahr bzw. verteilt über fünf Jahre abzuschreiben. Auf Grundlage dieser Voraussetzungen ergeben sich zwei Varianten zur Abschreibung von geringwertigen Wirtschaftsgütern:

Geringwertige Wirtschaftsgüter im gleichen Jahr abschreiben

Bei abnutzbaren beweglichen Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens, die zu einer selbstständigen Nutzung fähig sind, können sie im Wirtschaftsjahr der Anschaffung oder Herstellung in voller Höhe als Betriebsausgaben abgezogen werden, wenn die Anschaffungs- oder Herstellungskosten, vermindert um einen darin enthaltenen Vorsteuerbetrag, für das einzelne Wirtschaftsgut 410 Euro nicht übersteigen. Dafür gelten folgende Voraussetzungen:

Es handelt sich um ein selbstständiges bewegliches Wirtschaftsgut

Ein Wirtschaftsgut ist nicht selbstständig nutzbar, wenn es nur mit anderen Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens genutzt werden kann. So ist zum Beispiel ein Laptop als ein selbstständiges Wirtschaftsgut anzusehen. Dagegen ist ein Monitor nicht als selbstständiges Wirtschaftsgut anzusehen, weil dieser ausschließlich mit einem externen Rechner genutzt werden kann.

Ein Verzeichnis muss vorgelegt werden

Für geringwertige Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens im Wert zwischen 150 und 410 Euro muss der/die Steuerpflichtige ein GWG-Verzeichnis, der den Tag der Anschaffung, oder Herstellung und die Anschaffungs- und Herstellungskosten ausweist, vorlegen können. Unternehmer:innen mit doppelter Buchführung brauchen kein besonderes Verzeichnis anzulegen, weil alle nötigen Angaben aus dem Kontoblatt ersichtlich sind.

Wirtschaftsgüter, die unter 150 Euro in der Anschaffung kosten

Alle Anschaffungen von Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens bis zu einem Nettokaufpreis von 150 Euro können sofort als Aufwand gebucht werden. Rechtsfolge: Sofern man sich am Anfang des Jahres dafür entschieden hat alle Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens mit Anschaffungskosten zwischen 150 Euro und 410 Euro auf das Konto GWG bis 410 Euro zu verbuchen, dann wird das GWG-Konto zum Jahresende abgeschrieben und damit komplett gewinnmindernd erfasst.

 

Neuerung: In 2017 hat der Gesetzgeber mit Wirkung für das Wirtschaftsjahr 2018 beschlossen, dass die GWG-Schwelle für Abschreibung des Wirtschaftsgutes im selben Jahr von 410 Euro auf 800 Euro angehoben wird.

Geringwertige Güter als Poolabschreibung

Selbstständige Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens mit Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten zwischen 150,01 und 1.000 Euro können alternativ auf ein GWG-Konto gebucht und über die Laufzeit von fünf Jahren abgeschrieben werden. Dabei kommt es nicht auf den Zeitpunkt der Anschaffung an. Angeschaffte Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens im Januar 2017 und Dezember 2017 werden mit einem Fünftel des Anschaffungspreises in 2017 abgeschrieben.

 

Es ist zu beachten, dass die angewandte GWG-Abschreibungsmethode am Anfang des Jahres festgelegt und unterjährig nicht mehr geändert werden darf. Die GWG-Poolabschreibung ist gegenüber der anderen Methode zu bevorzugen, sofern im Unternehmen viele Anschaffungen im Wert von 410 bis 1000 Euro getätigt werden und die Laufzeit der Abschreibung länger als fünf Jahre beträgt.

Was Arbeitnehmer:innen absetzen können

Während Wirtschaftsgüter normalerweise nur über ihre Nutzungsdauer abgeschrieben werden können, gelten für GWG eigene steuerliche Regeln. Wie diese im Einzelnen aussehen, hängt davon ab, wann das geringwertige Gut gekauft wurde. Die Nutzungsdauern sind in so genannten AfA-Tabellen amtlich festgelegt. AfA steht für „Absetzung für Abnutzung“.

 

Als Arbeitnehmer:in können geringwertige Güter als Werbungskosten von der Steuer abgesetzt werden. Allerdings muss dieses Gut in jedem Fall selbstständig nutzbar sein, um anerkannt zu werden (siehe 1.a.). 

 

Wer eine doppelte Haushaltsführung geltend machen kann, darf auch Einrichtungsgegenstände und Haushaltsartikel einbeziehen, also beispielsweise ein neu angeschafftes Bett oder Schränke.

 

Bei Einkünften aus Kapitalvermögen sieht es nicht so einfach aus. Denn mit der Einführung von Abgeltungssteuern und Sparerpauschbeträgen wurde der Abzug tatsächlicher Werbungskosten bei Einkünften aus Kapitalvermögen ausgeschlossen. Die entsprechenden Zeilen in der Anlage KAP wurden gestrichen.

Abschreibung für Selbstständige und Firmeninhaber:innen

Wer Einkünfte aus einer selbstständigen Tätigkeit oder aus einem Gewerbebetrieb bezieht, hat ein Wahlrecht bei der Abschreibung von geringwertigen Wirtschaftsgütern. Ein selbstständig nutzbares Wirtschaftsgut bis 800 Euro netto beziehungsweise 952 Euro brutto (bei Anschaffung bis Ende 2017 gilt ein Nettowert von 410 Euro) kann sofort abgeschrieben werden, also im Jahr der Herstellung oder Anschaffung. Stattdessen kann es selbstverständlich auch über die betriebliche Nutzungsdauer linear abgeschrieben werden. 

Auch die Poolabschreibung, auch Sammelposten genannt können Selbstständige und Unternehmer:innen nutzen. Wie das funktioniert, haben wir bereits unter Punkt 2 aufgeführt.

Finden Sie einen Steuerberater, Wirtschaftsprüfer
oder Buchhalter

Sind Sie Steuerberater?

Registrieren Sie Ihre Kanzlei im ersten Leitfaden für Steuerberater und Wirtschaftsprüfer